Alles neu. Oder: Umbruch ist immer.

März 2018. Hinter mir liegt eine Zeit voller Höhen und tiefster Tiefen.

Als ich im Frühjahr 2015 entschied, ein Sabbatjahr vom Komponieren zu nehmen, um mich mit voller Kraft der Politik und dem Erkenntnisgewinn widmen zu können, ahnte ich nicht, dass daraus zweieinhalb Jahre werden sollten. Sabbat, nicht Politik.

Von meiner Auszeit habe ich verschiedentlich berichtet, vor allem in Form von Vorträgen und Keynotes: Ich habe mich dem Digitalen gewidmet, in allen seinen Facetten. Informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz & Datenautonomie, Medienregulierung, Kartellrecht, Plattformhaftung, Fake News & Hate Speech und, natürlich, Kultur und Urheberrecht. Ich habe für ecce eine qualitative Studie über die Folgen der Digitalisierung für die Kulturschaffenden geschrieben, habe Bundesjustizminister Heiko Maas auf der

Urheberkonferenz 2015
MH @ Urheberkonferenz 2015, foto: Initiative Urheberrecht

Urheberkonferenz 2015 erklärt, wovon musikalische Urheber leben (von Lizenzen und Nutzungsvergütungen und mithin von der GEMA und nicht etwa „vom Komponieren“), habe unterrichtet, getalked und moderiert  – in Brüssel, Krakau, Cannes, Berlin und Köln und sonstwo. 
Und ich bin gereist; Frankreich, Polen, Belgien, Niederlande, Schottland & UK, New York und vieles mehr lag auf dem Weg.

Als ich im Herbst 2016 nach einer letzten Reise wieder in mein altes Leben zurückkehren wollte, war das plötzlich verschwunden. 
Ich will und werde das an dieser Stelle nicht vertiefen, nur so viel: Bei meiner Frau wurde Leukämie diagnostiziert und ich habe mich, mit allem, was mir zur Verfügung stand, mit ihr in den Kampf gegen diese unbegreifliche Krankheit geworfen. Den Kampf haben wir verloren; seit November 2017 bin ich Witwer.

Ich muss nun, wohl oder übel, mein Leben neu strukturieren, teils gar neu (er)finden. Das betrifft notwendigerweise auch meinen Beruf, bzw. meine vielen Berufe … Ich bin froh und sehr dankbar, das Jahr mit zwei Kompositionsprojekten zu beginnen, einem fürs NDR Fernsehen und einem für den WDR Hörfunk. Dazu später mehr.
Zugleich habe ich meine Studioräume in der Dasselstr. gekündigt und bin dabei, meine gesamte Arbeitsumgebung in meine Wohnung zu verlegen (Foto). Falls also jemand Räume in Köln sucht …
Halbwichtiges wie eine neue Website muss warten. Das hier ist immerhin ein Versuch sichtbar zu bleiben.

STC-Programmleitung 2016
STC-Programmleitung im Sommer 2016

Im Januar bin ich nach fast 15 Jahren bei SoundTrack_Cologne ausgestiegen. Das ist der Schlusspunkt einer längeren Entwicklung und keineswegs (m)einer akuten Krise geschuldet. Ich werde aber selbstverständlich auch weiter politisch aktiv sein; ich kann ja gar nicht anders. Sehr gerne lasse ich mich für Werkstattgespräche oder Podiumsdiskussionen als Moderator einladen. Auch in der Hinsicht gibt es bereits einige attraktive Aussichten auf das Jahr, das längst kein Neues mehr ist.

Soviel für den Moment. 
Eines möchte ich abschließend nicht versäumen zu sagen: Ich habe im vergangenen Jahr, unter denkbar schlimmen Bedingungen, so viel Gutes erlebt, Loyalität und Freundschaft von so vielen, durchaus auch unerwarteten Seiten erfahren, dass ich schlicht und ergreifend zutiefst dankbar und wahnsinnig berührt bin.
Ich weiß schon, warum ich mich seit langem mit soviel Energie für die Menschen einsetze: Sie sind es wert!

Lasst Euch helfen, wenn Ihr’s braucht, helft anderen, wenn Ihr könnt und, nicht zuletzt, werdet Organspender und lasst Euch typisieren! Es sind ganz kleine Entscheidungen, die Großes bewirken können.

Persönliche Filmmusik-Highlights 2017

Neben dem unglaublich unterhaltsamen Werkstattgespräch mit dem verdammt klugen SHERLOCK-Komponisten Michael Price (SoundTrack_Cologne 14) habe ich im Jahr 2017 eine Reihe persönlicher weiterer Filmmusik-Highlights erlebt.

Michael Price & MH @ STC14, Foto: Stephanie Englert / SoundTrack_Cologne
Michael Price & MH @ STC14, Foto: Stephanie Englert / SoundTrack_Cologne

 

 

Dazu gehörte nicht zuletzt ein langes und intensives Gespräch mit einem Kollegen, dem ich mittlerweile seit gut zehn Jahren freundschaftlich verbunden bin: Oscarpreiträger Jan AP Kaczmarek (FINDING NEVERLAND). Auf dem Braunschweig International Film Festival BIFF gestalteten wir zusammen mit den hervorragenden Musikern des Staatsorchesters Braunschweig einen inspirierenden Abend. Einmal erwies sich Jan als Künstler im Sinne des Wortes, der alles Reden vom Filmkomponisten-als-Dienstleister-oder-allenfalls-„Kunsthandwerker“ Lügen straft, der sich in besonderer Weise mit seinen Projekten identifiziert und von einer großen Leidenschaft für Film(musik)dramaturgie und von einem tiefen Humanismus getrieben ist.

Don Davis & Jan AP Kaczmarek @ BIFF 2017

 

Ein Traum ging schließlich für mich in Erfüllung, als ich auf demselben Festival die Master Class mit Don Davis, dem Komponisten der MATRIX-Trilogie leiten durfte – einen Tag nach der Live-Aufführung seines Scores zum Film. Was soll ich sagen: Es war augen- und ohrenöffnend und der Meister erwies sich als freundlicher und aufgeschlossener Zeitgenosse und als sehr kritischer Geist. Und ich bin jetzt im Besitz einer signierten Partitur eines meiner absoluten All-Time-Favorite-Scores.

Robert Kraft
Robert Kraft, foto: Stephanie Englert / SoundTrack_Cologne

 

 

 

Ganz sicher nicht vergessen werde ich die Begegnungen mit großen & großartigen Persönlichkeiten wie dem Hollywood-Filmmusik-Urgestein Robert Kraft (was für eine kluger, entspannter Mensch!) oder dem legendären Bruce Broughton, einem ebenso lebensklugen wie tiefenentspannten Gentleman.

Bruce Broughton @ STC 14, foto: Stephanie Englert / SoundTrack_Cologne
Bruce Broughton @ STC 14, foto: Stephanie Englert / SoundTrack_Cologne

 

„Nouvelle Vague Polonaise“ auf Polnisch erschienen

Vor ein paar Tagen lag – nach Jahren des Wartens doch etwas unerwartet – die polnische Übersetzung des Komeda-Bandes von Alexandra Wach (HG) mit meinem Komeda-Essay im Briefkasten.

 

Eine Herzensangelegenheit. Schön, dass das Projekt einen guten Abschluss findet.

Nur schade, dass ich meinen eigenen Text nicht mehr verstehe …

Interview zum Tod von Jóhann Jóhannsson

Mit dem Deutschlandfunk habe ich über den viel zu frühen Tod des großartigen isländischen Komponisten Jóhann Jóhannsson gesprochen. Ich war mit Jóhann in der Jury bei Jan AP Kaczmareks TRANSATLANTYK FESTIVAL und hatte das Glück, seinen unfassbaren SICARIO-Score 2017 beim Film Music Festival Krakau live zu hören. Ein tragischer Verlust – menschlich und professionell.  

Auf dem Foto (privat), von links nach rechts: Ray Costa, Jóhann Jóhannsson, MH & DZ, John Ottman, Tim Burden, Michael Price

http://www.ardmediathek.de/radio/Kultur-heute-Beitr%C3%A4ge/Zum-Tod-des-Filmkomponisten-Johann-Johan/Deutschlandfunk/Audio-Podcast?bcastId=21554344&documentId=49933314

WDR5-Interview: Bond-Songs – Filmmusik mit der Lizenz zum Töten

Mit Jessica Düster und Uwe Mies habe ich für WDR5 über BOND-Songs gesprochen und dabei besonders Sam Smiths Spectre-Titelsong unter die Lupe genommen.
Hat Spaß gemacht.

Noch ist der Beitrag nachzuhören.